Exhibition und Introspektion
Multimediaperformance "Me, Myself & I" von Manuela Hartel
Rezension von Dorothea Seror

In der Performance "Me, Myself and I" greift Manuela Hartel auf ungewöhnliche Weise ein in der Kunst immer wiederkehrendes Thema auf: Die Darstellung des Ich. Die Performance thematisiert die Auslagerung und die Integration von unterschiedlichen Erscheinungsformen und verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten des Ichs im künstlerischen Kontext. Die Handlungsstränge laufen auf verschiedenen Ebenen ab. Das Zusammenspiel der
virtuellen und der physisch greifbaren Ebene erzeugt eine dritte: die Ebene der Illusion.

"Me, Myself & I" ist eine Live Interaktion des projizierten und des realen Selbst. Die vorproduzierte Videoanimation wird direkt auf den lebenden Körper der Protagonistin projiziert, der erst durch die grafisch erzeugten Lichtpunkte sichtbar wird. Die im linken Drittel der Projektion auftauchenden lebensgroßen Gestalten, sind eindeutig als Abbilder der Künstlerin auszumachen.

Die Performerin führt auf den ersten Blick einen Dialog mit den verschiedenen Ausführungen ihres Selbst. Sie improvisiert und experimentiert live mit Stimme und Text zu einer vorgefertigten Klangspur. Wohl wissend, dass die Figuren im Film schon da gewesen sein müssen, glaubt der Betrachter, sie reagieren auf die zärtlich lockenden Worte der Protagonistin. Dennoch scheint es nur so als stünden sie im gegenseitigen Austausch.

Die Figuren sind auf ein Medium gebannt und in Wirklichkeit ist der Ablauf ihrer Handlungen bereits festgelegt. Das reale Ich der Künstlerin passt ihren Live-Auftritt den gegebenen Umständen an. Die Dreiergestalt des Film-Ichs scheint die Aufgaben die das Leben der in die Leerstelle hinzugetretenen realen Ich-Protagonistin ausmachen, erfüllen zu müssen. Die lebende Protagonistin ist Identifikationsfigur für die Zuschauer. Sie reflektiert über ihr Leben. Die virtuellen Klone zeigen ihr Schicksal auf. Wie die Schicksalsgöttinen in ihrer Trinität, weben, bemessen und beeinflussen sie den Lauf der Geschichte. Keinem logischen oder archetypischen Modell folgend, bewegen sich die Figuren in ihrer Austauschbarkeit. Die reale Figur ist Mittlerin zwischen Betrachter und dem virtuellen Medium. Haptisch und akustisch greifbar gewährt sie dem Betrachter Einblick in ihr Innenleben und präsentiert sich dabei selbst. Durch ihre Mobilität lässt sie die Hoffnung aufkeimen, dass es eine Rolle eines aktiv Handelnden geben kann, der zumindest Einfluss auf Kommen und Gehen hat.

Gegen Ende entwickelt sich durch visualisierte Ausschmückungen eine Harmonie zwischen den Schicksalsgöttinen und der Protagonistin. Aus Auslieferung wird Akzeptanz. Die Schicksalsfiguren werden zum Bestandteil einer von der Künstlerin geschaffenen Szenerie, die sie in ihrer Wirkung unterstützen. Sie dienen ihrem Schutz, ihrer Ausdrucksfähigkeit und schmücken sie. Sie sind ein Teil von ihr.