Kritik:

Herbstprojekt 2007 - ein interdisziplinäres Fest

Das Herbstprojekt der Echtzeithalle / Musiklabor München fand in diesem Jahr im neuen Erweiterungsbau der AdbK - Akademie der bildenden Künste - statt, gemeinsam veranstaltet mit der Klasse Römer der AdbK.

Curtain of Children

Fangen wir zeitlich rückwärts an: Die Gruppe Defoe-Römer-Giussani-Door spielte mit komplexem Material aus Elektronik, Stimme, Text, Geräusch. Wenn viele Szenen der Kunst eingeladen sind, entsteht der positive Effekt, dass selbst bei vier Stunden Programm immer interessiertes Publikum da ist - es waren insgesamt mehr als 120 Zuhörer - je nach künstlerischem Umfeld.

Rotraud Arnold

Die beiden Arbeiten davor - um etwas 22 Uhr - hatten H. Wolf (Klavier) als zentrale Figur mit R. Arnold (Gärtnerplatztheater) und Trüstedt (Musiklabor München und Ulm) als Partner. So überraschend verrückt die Stimmkunst, so kontraststark die Computermusik- / Klavier-Arbeit.
Viel Publikum zog das farbkräftige und geheimnisvolle Video von Kausch-Schneider-Sora auf sich, so auch der konstante Faktor Zeller, letzterer wie immer sehr präsent bei aufmerksamen Publikum.

Randolf Pirkmayer

Zwei leise und pointiert laute Stücke von Pirkmayer (Geige) und R. Schwarz (Stimme, Wort). Beide Arbeiten nutzten die gesamte Halle auf allen Ebenen, mit Klängen bzw. Gehen, Stehen, Sprechen, Schreien aus.

Rainald Schwarz

Klassisch die Konzert-Installation Müller-Pirkmayer-Dehio mit Geräuschkunst, Live-Video, Stimme und Computermusik - verhaltene, zarte Fragmente. Die Art-Lecture von Köhler-Schäffer war eine Gesprächshandlung über Polaritons abwechselnd im Wellen- und Materie-Zustand - eingebettet in Gesellschaftsgeräuschen.

Andhi Pabst

Klassische Computerkunst wurde von L. Peters mit modernen Mitteln und in stiller Form präsentiert. Am Anfang des Festes experimenteller Kunst stand die Türkis-Abfrage - wie ein Tafelbild projiziert und als Klangpendel hörbar durch die Vernetzung zweier Laptops - mit Pabst-Trüstedt.

Stefan Römer und Dieter Trüstedt

Die Szene des Herbstmaterials war lebendig, geheimnisvoll, unabhängig, zwischen den Sparten neue Bereiche öffnend. Ob alles publikumsgerecht war, kann sicher nicht mit ja bestätigt werden, da viele Ortswechsel, viele Gedankensprünge, viele Schnitte zu überbrücken waren. Das Publikum spielte mit, es lies sich auf Seltsames, auf Experimente, auf Unerwartetes ein und genoß, wenn auch mit etwas Anstrengung, den kühlen Raum, das freundliche Café und das abschließende Relais.

Fotos: Bernhard Thurz
Siehe auch: http://www.luise37.de/2007/herbstmaterial/herbstmaterial2007doku.htm

Dieter Trüstedt, 14. Oktober 2007