regenreden

Filmtext - Tanzinseln & Lautspuren

Dieter Trüstedt
Komposition, Elektronische Musik, Virtuelles Bühnenbild
Jessica Billeter
Choreographie, Text, Stimme, Tanz
Stefan Staub
Licht

Dauer: 45 Minuten

Uraufführung:
Donnerstag 16. Oktober 20.00 Uhr
Carl Orff Auditorium
München Luisenstr. 37a

2. Aufführung
Samstag 18. Oktober 20.00 Uhr
Carl Orff Auditorium
München Luisenstr. 37a

Probenfotos 19.Sept.2003

Jessica Billeter, 3 Aufnahmen aus regenreden mit Songline

Dieter Trüstedt, Elektronische Musik in regenreden.
Klangbeispiel: E-Moll-Rauschen / 23 Sek in MP3 / 370 KB

Jessica Billeter in regenreden


Münchner Merkur Nr. 243, Mittwoch 22. Oktober 2003, Kultur, Seite MM 35


 

regenreden
regenreden entstand im september
2003 als gemeinsame arbeit von
jessica billeter & dieter trüstedt -
es sind stille reden - das flackern
der töne - in moll aufgehen -
durch hundert täler wandern ...
weiter nichts
impressionen aus dem cento valli
& ein dank an das leben - das jetzt -
zitate aus dem ‘second livre de lezard ‘
& von jacques brel
& texte von jessica billeter

Die Fotoaufnahmen in regenreden sind von Dieter Trüstedt. Es sind Steinaufnahmen aus la boriette, Frankreich. Sie bilden die Schlüsselbilder in den Computerfilmen, dem virtuellen Bühnenbild.

Der Laut - als kleinste musikalische Äußerung - wird in dieser Arbeit aus allen Bereichen des menschlichen Seins entnommen: aus der Natur (die Laute der Vögel, der Insekten, der Bäume, des Wetters etc.), aus unserer zivilisierten Umwelt (das Surren des Teekessels, das Nebelhorn, das Quietschen der Landungsbrücke, unsere modernen Fahrzeuge, unsere Kommunikationsgeräte etc.) und natürlich aus den menschlichen Äußerungen selbst (der Laut, das Phonem, die kleinste Einheit des gesprochenen Wortes, der Ruf, Laute der Befindlichkeit etc.). Wir wissen vom Laut, vom Klang und vom Geräusch. Der Laut hat eine unmittelbare kommunikative Aufgabe, der Klang ist die Eigenschaft eines Objektes, z.B. eines Musikinstrumentes und das Geräusch ist die Reibung zwischen zwei Gegenständen. Der Laut teilt etwas mit, wobei dieser Laut sogar aus der unbelebten Natur kommen kann, wenn er vom Menschen beim Hören als Laut interpretiert wird, zum Beispiel das Nebelhorn, das Quietschen einer alten Straßenbahn etc.

Die Präsentationstechniken der Laute in "Lautspuren" sind noch offen. Eine große Rolle werden hierbei die (klassischen) Instrumente der reinen elektronische Musik spielen. Die heutigen Programmiermöglichkeiten haben diese Geräte wieder zu einer aktuellen Technik der akustischen Kunst gemacht. Es hat sich gezeigt, dass die elektronische Generierung eines Lautes in der Performance eine hohe Wirksamkeit, eine starke Betroffenheit und Empfindung erzeugen kann, besser als zum Beispiel auf Tonträgern aufgenommene Laute (sogenannte Samples). Die aus dem (Natur-) Zusammenhang "gerissenen" Samples wirken auf der Bühne "deplaziert". Die elektronisch generierten Laute sind "abstrakt" und können direkt gespielt, verändert, d.h. gestaltet werden. Diese Abstraktion steht zwischen dem "natürlichen" Laut und dem Zeichen. Diese Vorgehensweise ist durchaus vergleichbar mit den Überlegungen der abstrakten Malerei gegenüber der gegenständlichen Malerei.

Das Bühnenbild wird unmittelbar vom Computer über Datenprojektoren erzeugt. Die Möglichkeiten und Wirkungen eines computergesteuerten (abstrakten, virtuellen) Bühnenbildes wurde in den vergangenen acht Jahren (oder auch 35 Jahren) nach verschiedenen Gesichtspunkten erprobt: die rein abstrakte und bewegte Form als Vorlage für den Schattentanz, der Computerfilm als "Partitur" zur Steuerung der Performance und der Computerfilm mit Aufnahmen aus der Natur nachdem die Bilder abstrahierenden Prozessen unterworfen wurden (Kontrast, Auflösung). Allen Verfahren ist gemeinsam, das sie Computerfilme sind, die während der Aufführung direkt gesteuert werden können (Stops, "Film"-Wechsel, Bildsprünge etc.). Diese technisch-künstlerischen Möglichkeiten bieten gleichzeiten eine Reduktion des "materiellen" Aufwandes auf der Bühne.


regenreden
im Rahmen von

ECHTZEIT 2003
Musikprojekte Musiklabor
München Luisenstr. 37 a

Do 16. / Fr 17. / Sa 18. und Mi 22. / Do 23. / Fr 24. / Sa 25. Oktober 2003

Gesamt-Programm

Förderung:
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Förderverein Echtzeithalle

Zusammenarbeit:
Hochschule für Musik und Theater München

Veranstalter:
Musiklabor / Echtzeithalle München Tel. 272 18 56

Ort: Carl Orff Auditorium und Reaktorhalle München, Luisenstr. 37a U2 Königsplatz

Informationen: www.echtzeithalle.de